Paradies unter Betonriesen

In der Folge ein aktueller Artikel in der Münsterschen Zeitung, der kompakt zeigt, wer in den letzten Jahren mitsamt seiner nimmermüden Helferinnen und Helfer für die, in logischer Konsequenz bereits mit mehreren Umweltpreisen bedachte, positive Entwicklung des Bewohnerparks „Grünschleife“ hauptverantwortlich zeichnet:


Paradies unter Betonriesen

Zwischen den Hochhäusern wachsen Rosen und Obstbäume

KINDERHAUS Hinter starren Hochausriesen, in denen die Tage einander gleichen, öffnet sich ein blühender Park. Frühreife Pflaumen liegen auf den Pfaden verstreut, aus den Beeten leuchten gelbe Zucchini-Blüten hervor. Sie sind die Zeichen einer stillen Revolution.

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Frank Blümer ist Landschaftsgärtner und kümmert sich als Parkranger um die Grünschleife in Kinderhaus. Das Hochbeet mit den vielen Blumen hat er frisch gepflanzt. Damit in dem kleinen Park alles schön bleibt, helfen auch Anwohner mit.

Denn 2008 sah es in der Grünschleife, wie dieser Fleck hinter den Hochhäusern in Kinderhaus heißt, völlig anders aus: Ein Dschungel aus Gestrüpp und Gebüsch, so dicht, das man kaum hineinsehen konnte. Niemand wollte sich dort aufhalten.

Und dann begann sie, die leise Veränderung. Angestoßen durch das Sozial- und das Grünflächenamt, zogen Nachbarn und Mitarbeiter des Begegnungszentrums Sprickmannstraße (BGZ) mit Schaufel, Harke und einer Idee zur Grünschleife: Einen Ort zu schaffen, an den man gerne hinkommt. Zum Lesen, Spazierengehen, Spielen, Sonnen.

Landschaftsgärtner Frank Blümer sieht die Bilder noch lebhaft vor sich: „Das war alles ganz zugewachsen.“ Erst als sie die wuchernden Pflanzen entfernten, entdeckten sie einen kleinen Teich. Heute schwimmen darin Fische, auch Frösche leben dort und ringsum gibt es einen Naturerlebnispfad. Jeden Tag ist Blümer in der Grünschleife, begleitet von vier bis sieben Freiwilligen. Sie ziehen das Unkraut heraus, mähen den Rasen und schaffen immer wieder Neues. Vor kurzem hat Blümer ein Hochbeet mit Blumen in allen Farben und Größen gepflanzt: „Das war eine tolle Arbeit – da war ich ganz in meinem Element.“

6000 Blumenzwiebeln

Finanziert wird all das mit dem Verstetigungsprogramm Soziale Stadt, Spenden und städtischen Mitteln.
Etwa 6000 Blumenzwiebeln stecken in der Erde der Grünschleife. Das Beet mit dem Salat, den Kartoffeln und den Kohlrabi – jedes Jahr gibt es mehr zu entdecken. Da sind die Grillhütte, die Schachbretter, die Wildblumenwiese. „Der Kräutergarten wird auch immer größer: Thymian, Salbei, Sauerampfer, Majoran. Nur die Petersilie, die wird gerade weniger: „Da wurde schon viel abgeerntet. Aber das soll ja auch so sein.“ Jeder, der in der Gegend wohnt, darf hier etwas mitnehmen. „Viele holen hier mittags ein paar Kräuter für den Eintopf“, erzählt der 49-Jährige. Ein kleines Paradies für alle in der Schleife.

Überall stehen Mülleimer, dann sind da noch die Kästen, wo Hundebesitzer Tüten ziehen können. Blümer ist Gärtner und hat den inoffiziellen Titel „Parkranger“ bekommen. Er sorgt dafür, dass der Park erhalten bleibt.

Umweltpreis

Das bedeutet auch, jemanden zu ermahnen, der mit seinem Fahrrad über den vom Regen aufgeweichten Rasen fährt. 2012 erhielt das Projekt den Umweltpreis der Stadt Münster. Ein Projekt, dass sich immer weiter entwickelt. BGZ-Leiter Thomas Kollmann sagt: „Das hier wird wertgeschätzt und von der Nachbarschaft gehegt und gepflegt.“ Wie sehr, weiß Blümer: „Viele sagen, das ist ein Lichtblick – das Schönste was hier überhaupt gewesen ist.“

MZ-Foto (1) Dominique Snjka

(Quelle: www.muensterschezeitung.de, 26. Juli 2014)

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