Westfälische Nachrichten: Mit Frauen-Power zum Ziel

Die Westfälischen Nachrichten notieren:

Mit Frauen-Power zum Ziel

Münster-Kinderhaus – Sie sprechen bis zu fünf Sprachen und ebnen den Weg zu den Menschen im Wohngebiet Brüningheide. Die Frauen, die sich im Begegnungszentrum Sprickmannstraße engagieren, sei es als Gruppenleiterin, Mietersprecherin oder Kursleiterin, sind es gewohnt, die Ärmel hochzukrempeln und anzupacken. 70 Prozent der Menschen im Wohnquartier haben einen Migrationshintergrund: Sie können über Brückenpersonen erreicht werden.

Begegnungszentrum-Sprickmannstrasse-Mit-Frauen-Power-zum-Ziel_image_630_420f_wn

Internationale Frauen-Power ist ein Pfund, mit dem das Begegnungszentrum wuchern kann: (vorn v.l.) Jasmin Stolz, Masoumeh Mahboubkhah, Olga Stolz, Zarmina Khorosh und (hinten v.l.) Irina Micheilis, Irina Rosin, Djevam Modjarrad, Mahrakh und Havana. Sie alle engagieren sich für die Menschen in der Schleife

Masoumeh Mahboubkhah (55) zum Beispiel stammt aus dem Iran, spricht deutsch, türkisch, persisch, aserbeidschanisch und versteht die Menschen aus Afghanistan. Sie ist seit 18 Jahren als Erzieherin tätig, seit 20 Jahren ehrenamtlich im Begegnungszentrum engagiert, ist dort Gesundheitsmediatorin in Kooperation mit dem Gesundheitsamt, leitet seit acht Jahren Schwimmkurse, einen Frauenkurs und versteht sich als „Kulturvermittlerin“: „Wir können Integration erleichtern.“

Das gilt auch für Zarmina Khorosch. Sie spricht Dari und Paschtu – die beiden Amtssprachen Afghanistans – sowie französisch und deutsch. Sie war in Afghanistan Beamtin im Olympiakomitee. Sie lebt seit 27 Jahren in Kinderhaus und leitet die afghanische Gruppe, die sich im Begegnungszentrum trifft, und ist Mietersprecherin. Irma Micheilis (59) stammt aus Kasachstan und leitet die russlanddeutsche Gruppe „Quelle“, eine quirlige Truppe, die familienübergreifend vieles auf die Beine stellt, kocht, bastelt, Ausflüge oder Gesundheitsangebote organisiert. Irina Rosin (34), verheiratet, zwei Kinder, hat Sozialarbeit und Sozialpädagogik studiert und in Berlin im Migrationssozialdienst der Caritas gearbeitet.

Frauen wie sie möchte das Begegnungszentrum für ein neues Projekt einsetzen: Im Projekt Stadtteilmütter, das im Januar starten soll. Es soll sich insbesondere an neu zugezogene Familien richten, sie mit Angeboten vertraut machen und Hilfestellung in den Bereichen sprachliche Kompetenz, Gesundheit, Ärzte und Behörden bieten. „Es ist wichtig, dass die Menschen, die hier wohnen, sich verorten, dass sie wissen, sie werden nicht allein gelassen“, erläutert Thomas Kollmann, Leiter des Begegnungszentrums Sprickmannstraße, mit Blick auf die 1250 Wohnungen und die rund 3200 Menschen, die in der Schleife leben. Damit die Stadtteilmütter Familien qualifiziert beraten können, müssen sie selbst für ihre Aufgabe qualifiziert werden – und das kostet Geld.

Von Katrin Jünemann

WN-Foto (1) kaj

(Quelle: www.wn.de, 9. Dezember 2013)

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.